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Veranstaltungen


Freitag, 12.4.2019, 19.00

Nicht Schulreform, sondern Totalumbau

Prof. Dr. Mario Andreotti

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Dr. med. Hannes Geiges, Kinderarzt

Sehr geehrte Damen und Herren

Warum mischen wir Kinderärzte uns ein ins Bildungswesen?

Die meiste Zeit verbringen unsere Kinder in der Schule. Wir als Kinderärzte fühlen uns von Berufes wegen für das Wohl unserer Kinder und die Durchsetzung ihrer Kinderrechte verpflichtet.

Wenn etwas in der Schulpolitik falsch läuft, dann betrifft dies in erster Linie das Wohl unserer Kinder. Anfangs Mai wurde in einer Grossveranstaltung der Ostschweizer-Kinderärzte u.a. auch von Remo Largo darauf hingewiesen, dass heute viele Kinder wegen Schulschwierigkeiten schon im Primarschulalter psychische Störungen aufweisen. Doch nicht nur die Schüler sondern auch ihre Lehrkräfte leiden zusehends häufiger an psychischen Störungen (Burnouts). Deprimierte oder sonst psychisch gestörte, überforderte, gestresste und gereizte Lehrpersonen haben wiederum einen stark negativen Einfluss auf ihre Schüler.

Der häufige Lehrerwechsel und die Vielzahl der für eine Klasse zuständigen Lehrpersonen verunmöglichen den Aufbau einer guten Beziehung zwischen Lehrperson und Kind und hinterlassen nicht ungestraft ihre negativen Wirkungen auf unsere Schulkinder. Über 50% der Schüler und Schülerinnen müssen speziell abgeklärt werden und erhalten speziellen Stütz- oder Nachhilfeunterricht. Teure Privatschulen spriessen wie Pilze aus dem Boden. Alle sind gut belegt. Sie hinterlassen bei den meisten Kindern ein Stigma. Der hohe Ritalinkonsum bei den Schulkindern wird zwar beanstandet, die Ursache aber klar nicht bei den inadäquaten, nicht kindgerechten Ansprüchen der Schule gesucht.

All das, so wird der Direktor der Erziehungsdirektorenkonferenz RR Chr. Amsler beschwichtigend sagen, hat gar nichts mit dem Lehrplan 21 zu tun. Falsch, antworten wir Kinderärzte. Schon die Zielsetzung, nämlich all diese oben genannten Missstände in der heutigen Schule zu beseitigen, finden keine Erwähnung im LP 21.

Das zentrale Element beim Lernen, die Lehrer-Schüler-Beziehung tritt beim LP 21 in den Hintergrund (selbständiges Lernen ist gefragt). Das Problem des zu hohen Leistungsdrucks wird zwar in allen medizinischen und pädagogischen Fachkreisen diskutiert, in den 500 Seiten des LP 21 finden sich diesbezüglich keine Hinweise zur Verbesserung dieses Missstandes. Das gleiche gilt mit den 2 Fremdsprachen in der Primarschule. Jedermann ist sich einig, dass es nicht möglich ist eine Fremdsprache in 2 Lektionen pro Woche zu erlernen. Studien zeigen dass man schneller, einfacher und besser in der Oberstufe als in der 5. Klasse eine Fremdsprache erlernen kann. Der LP 21 hält an diesem falschen Sprachenkonzept fest und konsolidiert damit den zu hohen Druck und Frust der Schüler in der Primarschule.

Die Benachteiligung der Knaben durch die grosse Sprachlastigkeit der Primarschule wird konsolidiert. Ich erinnere mich an die Einführung der ersten Fremdsprache in der Primarschule. RR Gilgen versprach hoch und heilig das Französisch werde nur in spielerischer Form angeboten und würde in der Primarschule niemals benotet werden. Heute trägt die Note im Französisch wesentlich zur Einteilung in die Oberstufe bei.

Die neuen Lehrpläne gehören künftig vor das Volk. Unser Vertrauen in die Bildungspolitiker ist verschwunden. Sie haben die initial geschilderten Debakel zu verantworten.

Mit Tricks und Kniffen wird versucht eine Volksabstimmung zum LP 21 zu umgehen. Das wurde schon zur Einführung der Grundstufe und zur Abschaffung der Mundart im Kindergarten versucht. Die gleichen Bildungspolitiker versuchen jetzt erneut über den LP 21 ihre damals vom Volk abgelehnten Anliegen doch noch zu realisieren. Die Vergangenheit zeigt uns, dass mit jeder Neuerung im Schulwesen gleichzeitig der Leistungsdruck auf die Kinder erhöht wurde. Leider ist dies auch mit der Einführung des LP 21 zu erwarten. Meiner Meinung nach müssen unsere Kinder nicht an erster Stelle der Pisa-Studie stehen. Überlassen wir das Finnland. Wir wollen nämlich nicht wie Finnland eines Tages an erster Stelle der Suizidrate stehen.

Zur Medienmitteilung

Zum Referat von A. Borer

Zum Referat von A. Silberschmidt

Zum Referat von M. Bäni